Biography
Der Bariton Dietrich Henschel ist international bekannt für seine Auftritte an bedeutenden Opernhäusern, seine herausragende Arbeit im Lied- und Oratorienbereich sowie für seine innovativen multimedialen Projekte. Sein Repertoire reicht von Monteverdi bis zur zeitgenössischen Musik. In den letzten Jahren hat sich seine künstlerische Präsenz in vielfältiger Weise ausgeweitet und große Resonanz bei Publikum und Kritik hervorgerufen.
Ursprünglich als Pianist ausgebildet, entschied sich Henschel früh für den Weg des Opern- und Liedgesangs. Bereits im Alter von 13 Jahren debütierte er als Knabenalt am Nürnberger Opernhaus. Zu seinen prägenden Lehrern gehörte Dietrich Fischer-Dieskau, mit dem er später bei der Schubertiade Feldkirch und den Salzburger Festspielen auftrat.
Seinen internationalen Durchbruch feierte er in der Titelrolle von Busonis Doktor Faust in einer Koproduktion der Opéra de Lyon und des Théâtre du Châtelet, eine Interpretation, die ihm einen Grammy Award einbrachte.
Zu Henschels Paraderollen zählen Mozarts Don Giovanni, Rossinis Barbiere di Siviglia, Wagners Wolfram und Beckmesser, Monteverdis Ulisse und Orfeo, Alban Bergs Wozzeck und Dr. Schön, Debussys Golaud und Strawinskis Nick Shadow. Zeitgenössische Komponisten wie Péter Eötvös, Detlev Glanert, Unsuk Chin, Peter Ruzicka und Chaya Czernowin haben bedeutende Rollen für ihn in Uraufführungen geschaffen. Sein Markenzeichen ist seine besondere Bühnenpräsenz, seine Auftritte faszinieren gleichermaßen musikalisch wie theatralisch; seine Darstellung des Moses in Schönbergs Moses und Aron am Theater Bonn wurde von Opernwelt als „Aufführung des Jahres“ (2024) ausgezeichnet.
Auf dem Konzertpodium arbeitet er mit Dirigenten wie Petr Popelka, Kazushi Ono, Lothar Koenigs, Sylvain Cambreling, Vladimir Jurowski, Diego Ceretta und Zubin Mehta zusammen. Seine Oratorienaufnahmen mit John Eliot Gardiner, Philippe Herreweghe, Nikolaus Harnoncourt und Colin Davis sind weithin anerkannt. Zu seinen Liedpartnern zählen Irwin Gage, Helmut Deutsch und Sholto Kynoch.
Jüngste Projekte unterstreichen sowohl seine Vielseitigkeit als auch seine künstlerische Intensität: Im September 2025 war er in Philip Glass’ Les Enfants Terribles beim Festival de Ópera de Sevilla zu erleben; im Dezember 2025 stand er bei der von Publikum und Kritik gefeierten Wiederentdeckung der Oper Die Ameise von Peter Ronnefeld am Theater Bonn im Zentrum der Aufführung.